30.10.2005

Sturz-Bush

Von Daniel Kestenholz um 03:59 [ USA ]
Der Independent sagte, wie es ist:
Special report: Bush faces his Watergate. Sleaze, leaks and an indictment add up to the worst presidential crisis since Nixon. And it will get worse. The White House has lost one key man but the whole chain of command may be engulfed by a scandal slowly revealing the lies that led to war. Slowly revealing the lies that led to war.

Hier gäbs das ganze Stück zu lesen.

Stürzt Bush über diesen Mann?


01.9.2005

Amerikas Tsunami - Dritte Welt USA?

Von Daniel Kestenholz um 14:39 [ USA ]
Schüsse auf Rettungshubschrauber, Plünderungen per Gabelstapler, Evakuierungen von Hunderttausenden ins Nirgendwo ... mein Gott Katrina, was hast du angerichtet.

Berichte zu ausbleibender Hilfe, "urban warfare", Vergewaltigungen ... Bricht ein gewisser amerikanischer Revolvercharakter durch?

Voneinander stehlen, um zu überleben. Ungehört - in diesem Ausmass - bei Asiens Tsunami.

Dass in dieser Leitkultur Amerika das Übelste im Menschen so rasch ausbricht?

9/11 war zu verkraften, ja spornte Amerika noch an. Katrina dagegen erschüttert Amerika in seinem tiefsten Glaube an sich selbst und seine Ideale: Amerikaner wenden sich gegen Amerikaner.

Ein GAU, wie ihn Terroristen bislang nicht zu provozieren vermochten.

"Nach uns die Sintflut", wie eine eifrig besuchte Katrina-Diskussion bei einer deutschen Online-Zeitung übertitelt wurde. Die Amerikaner würden auf Teufel komm' raus leben, egal, was die Umwelt und andere sagen ...

Erste Vermisstenlisten zu Katrina lassen Schreckliches erahnen.

Und warum nur bescheidene internationale Hilfskampagnen anrollen? So anders als beim Tsunami-zerstörten Asien?

"Spiegel Online" fand harte Worte, wie Deutschland mit der Hurrikan-Tragödie umgehe:

"Hurrikan "Katrina" forderte Hunderte Menschenleben, richtete Milliardenschäden an. Doch statt Anteilnahme und Spendenaufrufen hören die Amerikaner aus Deutschland vor allem Häme und Belehrungen. Das transatlantische Verhältnis steuert auf seinen beschämenden Tiefpunkt zu - schuld daran ist die amtierende Regierung."

Katrina und Irak - sie werden zum Eigenleben.

Die US-Regierung wird ausserstande sein, genügend und überall zu helfen. Vorwürfe aus der eigenen Bevölkerung werden laut werden, im Irak Milliarden zu verprassen und das eigene Volk in der Gosse liegen zu lassen.

Nach Katrina ist Bush noch weniger zu beneiden. Patriotismus und Heroismus fliegen in diesen Tagen nach Katrina zwar noch höher als schon so. In einem BBC-Bericht sagte eine Gerettete: "Die Schlacht (gegen Katrina) haben wir verloren, den Krieg (im Irak) gewinnen wir."

In anderen Berichten flammen Wut, Empörung, Zorn gegen die Regierung, so machtlos diese zu sein hat angesichts der Gigantik der Zerstörungen.

Die Asiaten hatte man im Westen belehren wollen, warum Tsunami-Opfer noch Tage nach der Springflut nicht identifiziert worden seien.

In den Südstaaten Amerikas wurde mit Identifizierungen noch gar nicht begonnen. Opferzahlen? Bleiben reine Spekulation.

Bush werden zig Milliarden für den Wiederaufbau fehlen, die er im Irak ausgibt?

Katrina ist verstummt. Doch Katrina hat eben erst begonnen.

08.7.2005

Die Zwiebel

Von Daniel Kestenholz um 17:48 [ USA ]
Das Amerika des Bush soll humorlos sein?

Was? Bush könne den römischen Poeten Virgil nicht rezitieren?

Denkste. Wohl immer einseitigen Newsquellen vertraut.

The Onion, "America's Finest News Source" der auch Insideransichten, gäb's HIER



Eben, hier der Onion-Exclusive zu Bush Rezitationalisierung ungerühmter
Virgil-Werke.

08.6.2005

Schuldig? Nicht?

Von Daniel Kestenholz um 05:45 [ USA ]
Hier eine kleine Abstimmung.

Ist Jackson schuldig? Ist er's nicht?

Schon irgendwie spannend, wie da im Gerichtssaal um die Zukunft von Michael Jackson gerungen wird. Was da Fakten noch zählen?



Man erinnert an OJ Simpson. Schuldiger konnte man nicht aussehen. Und Simpson kam frei.

Ein Amerikaner sagte mir jüngst, als "sooo Prominenter" wie Simpson und eben Jackson könne man in Amerika gar nicht verurteilt werden.

Zum Naivling Jackson spricht so vieles für eine Schuld wie dagegen.

Bei allem Disrespekt für Jacksons Umgangsformen und bei aller Unkenntnis zu Prozessdetails: Denke mal, der Mann kommt frei und muss die erste Nacht nicht auf einer harten Polizeipritsche verbringen, bis er das genaue Urteil erfährt.

Könnt mich täuschen - wie bei manchem, das derzeit aus Amerika kommt. (Räusper).

Was denkt ihr? Schuldspruch? Nein?

01.6.2005

Ist Bush frisch verliebt?

Von Manuel Gnos um 10:28 [ USA ]
George W. Bush war gestern mit Gattin Laura beim ehemaligen US-Aussenminister Colin Powell und dessen Frau Alma zum Dinner eingeladen. Das freute W. so sehr, dass er – zwischen Hauptgang und Nachspeise – den Colin vor dem Hinterausgang von Powells Haus in McLean (VA) gleich ganz fest in die Arme schliessen musste.

Schade nur, dass die Caption Competition im anderen eBund-Weblog stattfindet...

09.5.2005

Chapel Hill

Von Daniel Kestenholz um 10:00 [ USA ]
Wir hatten Freunde hier, eine fünfköpfige Familie aus North Carolina, Chapel Hill, aus jener Uni-Stadt, „worum man einen Zaun bauen sollte“, wie Senator Jesse Helms (R-NC) einst wetterte. Und was da aus North Carolina hier in Bangkok ankam, war erfrischend. Jeder Amerikaner, der einen Reisepass besitzt und reist, scheint ja von vorneweg "liberal" zu sein.

Sämtliche Amerikaner, die ich in der asiatischen Ferne hier treffe, scheinen sich gar eine Spur zu schämen für einen Präsidenten, den sie ja gar nicht richtig gewählt hätten.

Diplomaten und auch GIs auf R&R-Urlaub, die schon, die sind ein anderes Völkchen. Doch wer weiss das nicht.

Wie überrascht war denn auch Jenny aus Chapel Hill beim Stöbern durch meine Bibliothek, als sie auf dem Buchrücken der Memoiren von Singapurs Lee Kwan Yew ein Zitat von George Bush las. „Was, Bush, dieser mentale Tiefstapler, soll dieses Buch gelesen haben?!“

Für Jenny brach eine Welt zusammen. Nie hätte sie ihrem Präsidenten zugetraut, ein solches Klassewerk gelesen zu haben. Bis Blake, ihr Mann, sie auf die Täuschung hinwies. „Easy, honey", so Blake. "George Bush, Bushs Vater, hat’s gelesen. Hier steht kein Dubya“ – kein W. Erleichtert atmete Jenny auf.

Wie auch immer: Unsere Freunde staunten nicht schlecht, als wir beim Abholen des Kleinen von der Schule den Automotor laufen liessen. Wegen der glühenden Hitze und der Klimaanlage, meinte ich, wie wir das Auto auf dem Parkplatz zurückliessen. Niemals, so Blake, niemals würde er in seinem Amerika den Automotor laufen lassen, und sollte er nur kurz aussteigen, um den Kofferraum zu öffnen.

Seit 9/11, so Blake, herrsche eine Angst im Lande, die niemanden verschone. Niemand traue niemandem mehr, nichts sei mehr sicher, und überhaupt seien er und seine Frau vor einem Jahrzehnt noch problemlos durch Indonesien gereist. Doch selbst dort seien sie, diese Ahnungslosen aus Chapel Hill, bei der jetzigen Reise aus einem Restaurant gejagt worden.

Amerikaner zu sein, so Blake, sei zur Bürde geworden. Zu Hause wie im Ausland.

24.4.2005

Ex pluribus unum...

Von Martin Alioth um 23:29 [ USA ]
...heißt es, wenn die Erinnerung mich nicht trügt, auf dem Schriftband, das der amerikanische Bundesadler zwischen seinen Klauen trägt. Aus der Mannigfaltigkeit die Einheit.
Eben meldete die BBC, dass jeder achte schwarze Amerikaner in der Alters-Kohorte 20-29 im Gefängnis sitzt.
Zwölfeinhalb Prozent aller schwarzen jungen Männer.
Insgesamt über 2,1 Millionen Menschen aller Hautfarben.
Irgendetwas stimmt da nicht.

12.4.2005

Glocken der Heimat

Von Martin Alioth um 23:20 [ USA ]
Bevor ich mich für ein paar Tage zwecks Reportagen in England verabschiede, hier noch ein hübscher Scherz aus der heutigen Times: Was ist der Unterschied zwischen George W. Bush und einem iPod? Keiner, denn:

"They are both white, with a limited capacity, famous for
making strange noises and live in the pockets of businessmen."

Q.e.d.

01.4.2005

wer mehr wissen will über Bushs neuen Stosstrupp

Von Sandra Weiss um 17:56 [ USA ]
So, jetzt ist Wolfowitz also ernannt, die Diskreditierung der UNO in vollem Gange (schon komisch, dass die Skandale jetzt alle gehäuft aufgedeckt werden) ebenso wie die Unterwanderung der Unesco und UN-Unterorganisationen. Wer mehr über den neuen Stoßtrupp von George W. erfahren will:

Vulcans & Company
This package of profiles and analysis from the IRC's Right Web program pieces together the new figures of the second Bush administration's new foreign policy and homeland security team. The foreign policy advisers for candidate George W. Bush's 2000 electoral campaign privately called themselves the Vulcans. These Vulcans later became the foreign policy team that radically changed the course of U.S. national security strategy. Most of those Vulcans, such as Dick Cheney and Donald Rumsfeld, continue to oversee U.S. foreign and military policy. The Vulcans & Company offers readers information about the new and upgraded members of this team that is assaulting civil liberties at home and international law abroad.

See Right Web profiles:

Elliott Abrams: http://rightweb.irc-online.org/ind/abrams/abrams.php
John Bolton: http://rightweb.irc-online.org/ind/bolton/bolton.php
Dick Cheney: http://rightweb.irc-online.org/ind/cheney_r/cheney_r.php
Michael Chertoff: http://rightweb.irc-online.org/ind/chertoff/chertoff.php
Stephen Hadley: http://rightweb.irc-online.org/ind/hadley/hadley.php
John Negroponte: http://rightweb.irc-online.org/ind/negroponte/negroponte.php
Roger Noriega: http://rightweb.irc-online.org/ind/noriega/noriega.php
Condoleezza Rice: http://rightweb.irc-online.org/ind/rice/rice.php
Donald Rumsfeld: http://rightweb.irc-online.org/ind/rumsfeld/rumsfeld.php
Paul Wolfowitz: http://rightweb.irc-online.org/ind/wolfowitz/wolfowitz.php
Robert Zoellick: http://rightweb.irc-online.org/ind/zoellick/zoellick.php


28.3.2005

Ratlose Demokraten

Von Martin Alioth um 19:55 [ USA ]
Der New Yorker druckte unlängst (am 21. März) einen Artikel von Jeffrey Goldberg über die Suche der amerikanischen Demokraten (hier als Parteibezeichnung zu verstehen) nach einer Aussenpolitik.
Der Autor hatte Zugang zu den einflussreichsten Senatoren und Senatorinnen.

Die Ergebnisse sind ernüchternd. George W. hat den politischen Diskurs komplett verschoben, er ist gewissermassen mit dem Ball weggerannt und hat auf einem gänzlich neuen Spielfeld weitergemacht. Jetzt fügen sich die Demokraten allmählich den neuen Regeln. Überall geht es um die Projektion von Stärke, um den - scheinbaren - Schutz vor Terrorangriffen. Soweit der ernüchternde Befund des New Yorkers.

Alle Befragten (mit Ausnahme Ted Kennedys) machen sich berechtigte oder unberechtigte Hoffnungen auf die demokratische Präsidentschaftsnominierung 2008. Das ist der Grund, warum sie sich der verschobenen Volksgunst anpassen.

Und da stellt sich die Frage, ob der Ausleseprozess für amerikanische Präsidenten nicht grundsätzlich neu überdacht werden sollte. Denn nicht genug damit, dass die Anforderungen an Spitzenkandidaten und Sieger nur sehr wenig mit der Befähigung für das Präsidentenamt zu tun haben, darüber hinaus übt der Ehrgeiz von Oppositionskandidaten auch eine Art von Vorzensur aus. Diese im allgemeinen überaus fähigen Leute an der Spitze der Demokratischen Partei spielen auf Nummer sicher, um sich ihre möglichen Chancen nicht zu vermasseln.

Die Folge dieses durchaus systemkonformen Verhaltens ist das Verstummen oppositioneller Ansichten. So müssen wir uns resigniert darauf verlassen, dass George W. Mist baut. In der Vergangenheit allerdings hat das den Demokraten nicht übermässig viel genützt. Uns auch nicht.

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