| 28.4.2006So long und herzlichen Dank an unsere Fans. Ich bedauere es auch sehr, dass der blog eingestellt wird, denn ich habe hier immer sehr gerne geschrieben und diskutiert.
Es bestätigt sich mal wieder die Tendenz, dass die Weite Welt eben keine Chance hat gegen solch gewichtige Dinge wie Fussball oder Heimatkultur....Es wundert mich ehrlich gesagt nicht, stimmt mich aber traurig und nachdenklich. Je stärker die Welt zusammenwächst, je mehr sich alle Aspekte unseres Lebens globalisieren, desto mehr ziehen wir uns offenbar auf die eigene Scholle zurück.
02.4.2006Die Zeiten werden ja bekanntlich auch für uns Journalisten härter, der Geldbeutel immer schmäler und der Druck immer größer.
Nun bin ich in meiner Verzweiflung in " Página 12" auf einen ebenso genialen wie einfachen, mathematischen Trick gestoßen, wie man in Kürze einen anderen, endlich mal gut dotierten Job findet.....:-)))))
Hier eine kurze Übersetzung: wir besorgen uns eine Datenbank von 128.000 einschlägigen Wirtschafts-Adressen und suchen uns eine Börsenaktie oder eine Devise (z.B. den Dollar) oder Commodity (Gold) raus. Dann schreiben wir am ersten Tag der Hälfte (64.000), dass der Dollar steigt, der anderen Hälfte, dass er fällt. Wenn er steigt, nehmen wir von den 64.000, bei denen wir recht hatten, wieder die Hälfte und wiederholen dasselbe usw. So eine ganze Woche lang, und am Freitag bleiben dann 4000 übrig, bei denen wir die ganze Woche recht hatten. Wenn wir denen jetzt eine Mail schreiben und unsere Dienste für - bsplsweise 500 Dollar im Monat anbieten - können wir uns höchstwahrscheinlich für den Rest unseres Lebens auf einem netten Finanzpolster ausruhen. 25.3.2006US-Gegenspieler Mercosur steckt in der Krise
- Nationalismus gewinnt Oberhand über Integrationsbemühungen in Südamerika
Von Sandra Weiss
Montevideo. Vor drei Monaten noch trumpften die Südamerikaner groß auf und ließen Washington im Regen stehen: beim Amerika-Gipfel in Mar del Plata scheiterte die von den USA vorangetriebene Wiederbelebung der gesamtamerikanischen Freihandelszone (Alca) am Widerstand Venezuelas und der Mercosur-Länder Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay. Und einen Monat später trat Venezuela mit Pauken und Trompeten dem Mercosur bei, um dem Gemeinsamen Südamerikanischen Markt einen "politischeren Anstrich" zu geben und der "imperialistischen Außenpolitik der USA" die Stirn zu bieten. Inzwischen hat sich das Blatt gewendet: diese Woche beendeten die USA erfolgreich die Freihandelsgespräche mit Kolumbien, mit Peru wurden die Verhandlungen vor kurzem abgeschlossen, und das Abkommen mit Mittelamerika wurde außer in Costa Rica überall schon ratifiziert. Der Mercosur indessen reibt sich an internen Streitigkeiten auf und droht, an seinen eigenen Widersprüchen zu scheitern. "Die Mystik der Integration geht verloren", fürchtet der Generalsekretär des Lateinamerikanischen Integrationsbündnisses (Aladi), Didier Opertti. Seinen Statistiken zufolge sank der Handel innerhalb des Mercosur von 40 Milliarden Dollar im Jahr 1998 auf 21 Milliarden im Vorjahr.
"Während Alca und auch die Nordamerikanische Freihandelszone zwischen Kanada, Mexiko und den USA eine rein wirtschaftliche Angelegenheit ohne politische Ambitionen sind, ist der Mercosur ein politisches Projekt ohne wirtschaftliche Relevanz", bringt es der Journalist Victor Flores auf den Punkt. Wenn es dem Mercosur nicht bald gelänge, seine internen Handelsbarrieren zu beseitigen und sich zu öffnen, werde er Mitglieder verlieren und zu einer irrelevanten Bürokratie verkommen, warnte auch der Analyst Andres Oppenheimer im "Miami Herald". Die Krise kommt denkbar unpassend: im Mai findet in Wien der nächste EU-Lateinamerikagipfel statt, bei dem eigentlich die vor über zehn Jahren begonnenen Verhandlungen über ein Handelsabkommen zwischen der EU und dem Mercosur unter Dach und Fach gebracht werden sollten. "Wenn nicht schnell etwas passiert, werden wir scheitern", warnte Spaniens Außenminister Miguel Angel Moratinos neulich bei einem Besuch in Buenos Aires. Die Verhandlungen stocken allerdings nicht nur wegen der internen Konflikte des Mercosur, sondern auch wegen des EU-Agrarprotektionismus.
Zu den traditionellen Handelskonflikten innerhalb des Mercosur, der bis heute kein Gemeinsamer Markt und eine nur unvollständige Freihandelszone ist, kam in den vergangenen Monaten politischer Zündstoff hinzu. Zankapfel zwischen Argentinien und Uruguay ist der Bau zweier Papierfabriken auf uruguayischer Seite am gemeinsamen Grenzfluss. Die Argentinier befürchten Umweltverschmutzung, beklagen, nicht konsultiert worden zu sein und drohen mit dem Gang zum Internationalen Gerichtshof in Den Haag. Außerdem blockieren Anwohner und Umweltschützer seit Monaten die Grenzbrücke, die nahe der Papierfabriken die beiden Länder verbindet. Uruguay fühlt sich vom großen Nachbarn gegängelt, hat damit gedroht, eigenständig bilaterale Freihandelsgespräche mit den USA aufzunehmen und bat die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) um Vermittlung. Dem erst vor kurzem eingerichteten Mercosur-Schiedsgericht hingegen traut offenbar keiner der Beteiligten eine Schlichtung zu. "Den Mercosur gibt es nicht", sentenzierte Uruguays Staatschef Tabare Vazquez in einer Kabinettssitzung erbost angesichts der brasilianischen und institutionellen Funkstille.
Überraschend mutet diese Krise des Mercosur vor dem ideologischen Hintergrund der beteiligten Regierungen an: bis auf Paraguay werden alle Mitgliedsländern von linken Staatschefs regiert, die sich eine Stärkung des Regionalbündnisses auf die Fahnen geschrieben haben. Doch offenbar war der ideologische Einklang nur kurzzeitig in der Lage, die tiefer liegenden Interessenskonflikte zu übertönen. "Diese Regierung eint zwar der Antiimperialismus, aber ihr Protektionismus und Nationalismus bergen Konfliktpotenzial", schreibt der Mercosur-Spezialist Carlos Montero in seinem Bulletin "Sintesis".
Der Mercosur wurde 1992 bereit mit strukturellen Problemem aus der Taufe gehoben: Die Kleinstaaten Uruguay und Paraguay waren von Anfang an die Juniorpartner und werden bis heute von den beiden Großen vor vollendete Tatsachen gestellt. Bei Konflikten trefen sich die Präsidenten Argentiniens und Brasiliens, handeln einen Kompromiss aus und erklären das Problem für gelöst. Nachdem es in Argentinien wirtschaftlich bergab ging, ist heute Brasiliens Übergewicht im Mercosur erdrückend. Die brasilianischen Unternehmer, die im Schutz des Protektionismus groß wurden, sehen im Mercosur einen natürlichen Absatzmarkt; für die brasilianische Regierung ist er ein politisches Sprungbrett zur Profilierung als Regionalmacht – ohne dabei große Zugeständnisse zu machen. Von der Aufnahme Venezuelas erhofften sich die übrigen Partnerländer ein Gegengewicht. Daraus könnte jedoch ein Boomerang werden, wie Carlos Montero warnt: "Chavez hat ein eigenes Integrationsprojekt – Alba, das er mit Hilfe billiger Rohölexporte und Petrodollars vorantreibt und mit dem er den Mercosur und die Andengemeinschaft schwächt."
20.3.2006«Globalisierung», heisst es in einem Lehrbuch, «bezeichnet die Tatsache, dass Menschen damit konfrontiert sind, sozialen Raum und historische Zeit zu teilen.» Diese Definition klingt zunächst mal abstrakt, aber wenn man genauer hinsieht, findet man die Spuren dieses Prozesses inzwischen nicht nur im Ausland- oder Wirtschaftsteil der Zeitung Ihres Vertrauens, sondern auch in den Lokalnachrichten. Berlin etwa klagt zurzeit über Graffiti-Künstler, die Filzschreiber mit Flusssäure füllen, um damit ihre Tags in die Scheiben von U-Bahn-Wagen zu ätzen - eine gefährliche Praxis, da die Dämpfe dieser Säure hoch giftig sind und in der Folge bereits U-Bahn-Stationen für den Verkehr gesperrt werden mussten. Und woher haben die Untergrundkünstler diese Technik? «Dass von Scratchern auch Säure benutzt werde, dieses Phänomen, so die Polizei, komme aus der Schweiz. Dort klagten bereits vor drei Jahren Nahverkehrsbetriebe darüber», weiss die «Berliner Zeitung».
Nun mag der kulturelle Austausch zwischen der Schweiz und Deutschland bei Preisen von 5.99 Euro für einen einfachen Flug nicht unbedingt ein Beleg sein für die Auswirkungen der Globalisierung, aber auch wenn man den Massstab ein wenig verkleinert, findet man ihre Spuren noch unter «Vermischtes». So verschwand südlich von Berlin kürzlich die Metallbüste des Kommunistenführers Ernst Thälmann. Zunächst mal ist man wohl geneigt, dahinter einen politischen Akt zu vermuten, aber die Erklärung ist banaler: Vermutlich waren Altmetall-Diebe am Werk. Die hatten zuvor schon ein Bronze-Wildschwein gefrevelt. Oder aus einem Wohnhaus die Kupfer-Gasleitungen entfernt (und damit einen Gasunfall riskiert), Gully-Deckel geklaut und von der Deutschen Bahn Kabel von den Fahrleitungsmasten demontiert. Ursache für diesen Metallklau sind die gestiegenen Rohstoffpreise, dies wiederum wird dem Hunger Chinas nach Rohstoffen zugeschrieben.
Man hat sich an die Globalisierung als Worthülse gewöhnt. Dass man aber ganz alltäglich riskiert, auf der Strasse (mangels Gullydeckel) von der Globalisierung bzw. vom Erdboden verschluckt zu werden, oder dass man wider alle politische Entwicklung damit anfangen muss, seine Kommunistenführer anzuketten, damit diese nicht geklaut werden, das sind dann schon unerwartete Auswirkungen eines sonst nur abstrakt zu beschreibenden Phänomens. 15.3.2006Nun ist also die umstrittene Menschenrechtskommission der UNO reformiert und nennt sich künftig "Rat für Menschenrechte". Statt 53 hat er nur noch 47 Mitglieder, es wird ein wenig schwieriger, Mitglied zu werden, aber viel ändern wird sich letztlich nicht. Wie auch, wenn Angeklagte gleichzeitig Richter sind - oder Geschäftspartner der Richter. Wir werden weiterhin jedes Jahr das entwürdigende Geschacher erleben, den Jahrmarkt, auf dem Menschenrechte getauscht werden gegen Entwicklungshilfe oder irgendein Pöstchen in der internationalen Diplomatie (siehe auch diesen guten Artikel in der Süddeutschen dazu). Schade, dass wieder einmal eine Chance auf eine wirkliche Reform vertan wurde. Annans Bilanz fällt sehr mager aus. 14.3.200610.3.2006 Sie sind mir schon gelegentlich aufgefallen, diese merkwürdigen Straßen in Berlin, die als Bezeichnung nur eine Nummer tragen: «Straße 462», zum Beispiel. Es sind sonderbare Leerstellen im urbanen Raum, wo doch sonst alles und jedes symbolisch besetzt wird, und sie stimmen irgendwie auch optimistisch: Die Welt ist noch nicht fertig gebaut, sagen uns die über 400 Berliner Nummernstraßen, es gibt durchaus noch Platz in der Galerie der ehrbaren Menschen. Ahnungslos über die Praxis der Berliner Straßenbenennung, kann man Respekt haben vor der Haltung, erst mal abzuwarten und der Versuchung zu widerstehen, einfach mal eine «Blumenstraße» zu kreieren, nur damit das so seine Ordnung hat mit den Bezeichnungen.
Vielleicht ist man hier aber auch einfach gebrannt. Straßennamen sind Denkmäler. Denkmäler sind politisch codiert, und gerade in Berlin kann man damit nicht vorsichtig genug sein. Nach der Wende gabs mit den Lenin- und Stalin-Alleen genug zu tun für Denkmalstürzer, und noch 2004 warteten 850 Straßen, die von den Nationalsozialisten umbenannt wurden, auf eine Überprüfung, ob der ursprüngliche Name nicht vielleicht doch besser wieder einzusetzen wäre. Als ob man damit nicht genug zu tun hätte, tragen Grüne und CDU derzeit über die Umbenennung der Koch- in die Rudi-Dutschke-Straße einen erbitterten Streit aus.
Auch die «Straße 41», lese ich heute in der «Berliner Zeitung», hätte umbenannt werden sollen (Artikel online nicht verfügbar). In «Susanne-und-Kurt-Crohn-Straße». Bei allem Respekt vor dem Wirken der Crohns in der NS-Zeit, fragten sich aber die Anwohner der Straße, muss es denn so ein Bandwurmname sein?
Straße 41. Warum auch nicht. 09.3.2006Journalismus ist nicht gleich Journalismus. Insbesondere auf den Philippinen, wo der Ruf der Gattung Medienschaffender nicht noch tiefer sinken kann. Wegen ein paar pechschwarzer Schafe.
Lügen oder Fakten? Einerlei. Hauptsache, Gegner werden geschädigt.
"Teegelder"? Selten wegzudenken.
Und ja, nirgendwo auf der Welt werden mehr Journalisten ermordert als auf den Philippinen - selbst mehr als im Irak.
Also hat eine philippinische Journalistengewerkschaft einen Ehrenkodex zum Metier veröffentlicht:
The Journalist’s Code of Ethics
(What follows is the full text of the Journalist's Code of Ethics as adopted by the National Union of Journalists of the Philippines. A copy can be found on the website of the NUJP.)
I. I shall scrupulously report and interpret the news, taking care not to suppress essential facts nor to distort the truth by omission or improper emphasis. I recognize the duty to air the other side and the duty to correct substantive errors promptly.
II. I shall not violate confidential information on material given me in the exercise of my calling.
III. I shall resort only to fair and honest methods in my effort to obtain news, photographs and/or documents, and shall properly identify myself as a representative of the press when obtaining any personal interview intended for publication.
IV. I shall refrain from writing reports that will adversely affect a private reputation unless the public interest justifies it. At the same time, I shall fight vigorously for public access to information.
V. I shall not let personal motives or interests influence me in the performance of my duties, nor shall I accept or offer any present, gift or other consideration of a nature that may cast doubt on my professional integrity.
VI. I shall not commit any act of plagiarism.
VII. I shall not, in any manner, ridicule, cast aspersions on, or degrade any person by reason of sex, creed, religious belief, political conviction, cultural and ethnic origin.
VIII. I shall presume persons accused of crime of being innocent until proven otherwise. I shall exercise caution in publishing names of minors and women involved in criminal cases so that they may not unjustly lose their standing in society.
IX. I shall not take unfair advantage of a fellow journalist.
X. I shall accept only such tasks as are compatible with the integrity and dignity of my profession, invoking the “conscience clause” when duties imposed on me conflict with the voice of my conscience.
XI. I shall conduct myself in public or while performing my duties as journalist in such manner as to maintain the dignity of my profession. When in doubt, decency should be my watchword.
Journalist auf den Philippinen - eine berufliche Unmöglichkeit? 07.3.2006Viel wurde geschrieben über den berühmten Linksruck in Lateinamerika, heiß debattiert über Reformer versus Revolutionäre und was das gepolitisch und im Verhältnis zu den USA bedeutet.
Über all der Ideologie gehen Details verloren, die vielleicht für die weitere Entwicklung der politischen Kultur sehr viel wichtiger sind als große, ideologische Grundsatzdebatten.
Nehmen wir das Thema Steuern. Damit hat Lateinamerika traditionell ein Riesenproblem: Die Steuersysteme sind ungerecht, die direkten Steuern niedrig, die indirekten (MwSt) hoch, die Behörden korrupt, Steuerhinterziehung ist ein Kavaliersdelikt und entsprechend gang und gäbe, und die öffentlichen Dienstleistungen, die eigentlich aus Steuergeldern finanziert werden sollen, sind miserabel.
Also knöpften sich Nestor Kirchner in Argentinien, Tabare Vazquez in Uruguay und Hugo Chavez in Venezuela gleich zu Anfang dieses leidige Thema vor und nahmen Reformen in Angriff, ohne vor der Macht der Reichen einzuknicken. In Montevideo wurde etwa die Schließung einer der größten Supermarktketten angeordnet. Die Ergebnisse sind beachtlich, wie beispielsweise diese Karikatur aus der argentinischen Tageszeitung Página/12 verdeutlicht:

Übersetzung: Hände hoch und Auto her! - Bist du ein Dieb? - Klar - Uff, ich fürchtete schon, du seist jemand von der Steuerbehörde.
Noch erstaunlicher ist die überwiegend positive Reaktion der breiten Bevölkerung. Hier ein paar Kommentare:
Pablo, 37: Weiter so, endlich werden wir ein ernst zu nehmendes Land!
Susana, 50, Hausfrau: Fantastisch. Endlich gilt gleiches Recht für alle.
Sergio, 42: Nur wenn alle ihre Steuern zahlen, geht es für alle vorwärts. 01.3.2006 | |